Donnerstag, 13. Mai 2010

Alles ist möglich! Rezension von „Urban Interventions. Personal Projects in Public Spaces“ (Gestalten, Berlin 2010)

Das Durchblättern des Bildbandes Urban Interventions. Personal Projects in Public Spaces (Gestalten, Berlin 2010) entlockt mir auf jeder Seite wieder neu ein „Oh“ und „Ah“, Staunen über die Einfachheit kleiner, quasi so naheliegender Ideen von Umgestaltungen und Veränderungen von Dingen im öffentlichen Raum („Klar, hätte mir doch auch einfallen können...“) wechseln mit Ungläubigkeit über die Verrücktheit, Größe und den Aufwand anderer Aktionen und Kunstwerke.

Da entwachsen aus Mülleimern riesige Müllmonster, an Denkmälern wird geschaukelt, Straßenmarkierungen werden zu skurrilen Mustern, Moos wächst als lebendiges Graffiti an Wänden, Bäume tragen Jacken, Parkuhren Häkelsocken. Die Nutzungsmöglichkeiten von Containern (als Garten, Badewanne, Zeltplatz,...) und Parkplätzen werden erforscht, kleine Nischen in verwinkelten Ecken als Wohnraum genutzt. Straßenlaternen biegen sich, Absperrgitter türmen sich auf, aus Wänden sprießen irre Formen, Stromkästen mutieren zu kleinen Hochhäusern oder werden unsichtbar. In Mauerritzen entstehen Spielwelten, geheime Botschaften warten auf Entdeckung. Sitzbänke werden vergoldet oder mit Münzautomaten ausgestattet oder in 2 Meter Höhe angebracht, Rohr-Würmer brechen sich durch die Straße ins Freie, aus Werbeplakaten rollen sich Topfpflanzenhalterungen. An Luftschächten blähen sich Plastiktiere auf, Fellgraffiti macht Wände lebendig. Altkleidersammelboxen werden zu Luxusautoabgabestellen. Luftballons besetzen Telefonhäuschen, Menschenhaufen türmen sich in Treppenabgängen.
Diese urbanen Interventionen erweitern, was sich bisher als „Street Art“ vor allem durch Poster, Sticker, Stencils und Graffiti auf Flächen Ausdruck verschafft hat. Die Stadt als Spielplatz und nichts, was nicht Spielzeug sein könnte – was nicht benutzt, umgestaltet, verändert werden könnte. Der öffentliche Raum als Kunstwerk und Ausstellung. Nicht nur zum Gucken und Staunen, sondern zum Schaukeln und Draufsitzen, zum Drüberstolpern und Mitgestalten.

Dabei liefert „Urban Interventions“ auch eine Menge Ideen und Inspirationen für die Umsetzung politischer Themen, nicht zufällig finden sich unter den vielen dargestellten Interventionen auch Radioballett, politische Plakate und Adbustings, die Yes Men und Flash Mob-artige Performances.

Großartig!

R. Klanten, M. Huebner: Urban Interventions. Personal Projects in Public Spaces.
Gestalten, Berlin 2010
44.- Euro

Auf der Verlagsseite sind auch einige Buchseiten anzuschauen:
http://www.gestalten.com/books/detail?id=ceafb21a24b0f7bc01253143968200eb

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