Street Art

Chilean Artists Bomb Berlin with 100,000 Poems (August 2010)

von: http://publishingperspectives.com/2010/08/chilean-artists-bomb-berlin-with-100000-poems/

BERLIN: Last Saturday night, just as the sun was setting in Berlin, 100,000 bookmarks featuring poems by 80 Chilean and German poets rained from the sky. The event was co-organized by the Chilean artist collective Casagrande, which launched the “Poetry Rain” project in 2001 as a protest against war and a gesture supporting forgiveness. Over the last nine years, the group has held similar events in four other cities that were subject to intense aerial bombings at some point in their history — Santiago de Chile (2001), Dubrovnik (2002), Guernica (2004), Warsaw (2009).

Casagrande teamed up with the Literaturwerkstatt Berlin for their latest event, which was held in the context of the Lange Nacht der Museen [Long Night of Museums].

A lone helicopter circled Berlin’s Lustgarten for a half hour, dropping poems on the crowd of thousands. The “Regen der Gedichte” [Poetry Rain] was also a celebration of the bicentennial of Chile’s independence and was accompanied by readings and other festivities (...)

Alles ist möglich! Rezension von „Urban Interventions. Personal Projects in Public Spaces“ (Gestalten, Berlin 2010)

Das Durchblättern des Bildbandes Urban Interventions. Personal Projects in Public Spaces (Gestalten, Berlin 2010) entlockt mir auf jeder Seite wieder neu ein „Oh“ und „Ah“, Staunen über die Einfachheit kleiner, quasi so naheliegender Ideen von Umgestaltungen und Veränderungen von Dingen im öffentlichen Raum („Klar, hätte mir doch auch einfallen können...“) wechseln mit Ungläubigkeit über die Verrücktheit, Größe und den Aufwand anderer Aktionen und Kunstwerke.

Da entwachsen aus Mülleimern riesige Müllmonster, an Denkmälern wird geschaukelt, Straßenmarkierungen werden zu skurrilen Mustern, Moos wächst als lebendiges Graffiti an Wänden, Bäume tragen Jacken, Parkuhren Häkelsocken. Die Nutzungsmöglichkeiten von Containern (als Garten, Badewanne, Zeltplatz,...) und Parkplätzen werden erforscht, kleine Nischen in verwinkelten Ecken als Wohnraum genutzt. Straßenlaternen biegen sich, Absperrgitter türmen sich auf, aus Wänden sprießen irre Formen, Stromkästen mutieren zu kleinen Hochhäusern oder werden unsichtbar. In Mauerritzen entstehen Spielwelten, geheime Botschaften warten auf Entdeckung. Sitzbänke werden vergoldet oder mit Münzautomaten ausgestattet oder in 2 Meter Höhe angebracht, Rohr-Würmer brechen sich durch die Straße ins Freie, aus Werbeplakaten rollen sich Topfpflanzenhalterungen. An Luftschächten blähen sich Plastiktiere auf, Fellgraffiti macht Wände lebendig. Altkleidersammelboxen werden zu Luxusautoabgabestellen. Luftballons besetzen Telefonhäuschen, Menschenhaufen türmen sich in Treppenabgängen.
Diese urbanen Interventionen erweitern, was sich bisher als „Street Art“ vor allem durch Poster, Sticker, Stencils und Graffiti auf Flächen Ausdruck verschafft hat. Die Stadt als Spielplatz und nichts, was nicht Spielzeug sein könnte – was nicht benutzt, umgestaltet, verändert werden könnte. Der öffentliche Raum als Kunstwerk und Ausstellung. Nicht nur zum Gucken und Staunen, sondern zum Schaukeln und Draufsitzen, zum Drüberstolpern und Mitgestalten.

Dabei liefert „Urban Interventions“ auch eine Menge Ideen und Inspirationen für die Umsetzung politischer Themen, nicht zufällig finden sich unter den vielen dargestellten Interventionen auch Radioballett, politische Plakate und Adbustings, die Yes Men und Flash Mob-artige Performances.

Großartig!

R. Klanten, M. Huebner: Urban Interventions. Personal Projects in Public Spaces.
Gestalten, Berlin 2010
44.- Euro

Auf der Verlagsseite sind auch einige Buchseiten anzuschauen:
http://www.gestalten.com/books/detail?id=ceafb21a24b0f7bc01253143968200eb

Urban Interventions. Personal Projects in Public Spaces. Gestalten, Berlin 2010

Einen wunderbaren Bildband mit Installationen, Skulpturen... mit „street art“ in einem erweiterten Sinn, hat der Gestalten Verlag gerade herausgebracht.
Demnächst gibt’s hier eine ausführliche Besprechung des Buches, hingewiesen und allen Street Art-Begeisterten empfohlen sei es aber hiermit schon mal. Auf der Verlagsseite sind auch einige Seiten des Buches anzuschauen:
http://www.gestalten.com/books/detail?id=ceafb21a24b0f7bc01253143968200eb

Und als Buchtipp bei rebel:art:
http://www.rebelart.net/diary/buchtipp-urban-interventions-personal-projects-in-public-places/003062/

Sammlung politischer Plakate (Februar 2010)

Nun sei hier endlich mal auf die riesige Plakatesammlung http://politischesplakat.blogsport.de/ hingewiesen. Das ganze ist eine online-Fortführung der beiden tollen Plakate-Bücher "hoch die kampf dem -
20 jahre autonomer bewegungen" und "vorwärts bis zum nieder mit – 30 jahre plakate unkontrollierter bewegungen" (beide erschienen bei assoziation a).
Der Weblog ist kombiniert mit flickr-Archiven, wo inzwischen fast 2000 Plakate verfügbar sind.

Kaleidoskop der Street Art: Rezension von „Street Art. Legenden zur Straße“ (Archiv der Jugendkulturen, 2009)

Ein Kaleidoskop der Street Art
Rezension von „Street Art. Legenden zur Straße“, Archiv der Jugendkulturen, 2009

Street Art. Illegal, subversiv, kommunikativ, politisch. Selbstverliebt, aufdringlich, integriert.
Unzählige Bücher über Street Art - meist Bildbände - sind seit der Ausbreitung dieses neuen künstlerisch-aktivistischen Phänomens auf Wänden, Mauern, Straßenschildern, Stromkästen und Regenrinnen der großen wie kleinen globalisierten Innenstädte in den letzten Jahren veröffentlicht worden.
Karin Klitzke und Christian Schmidt haben sich mit der Herausgabe von „Street Art. Legenden zur Straße“ das hohe Ziel gesetzt, im Gegensatz zu allen bisherigen Veröffentlichungen eine Vielzahl theoretischer Überlegungen zu einer differenzierten Betrachtungsweise von Street Art zusammenzubringen. Das „publizistische Kaleidoskop“, das sie damit geschaffen haben, kann sich (durch)sehen und vor allem lesen lassen:
Viele schöne Fotos, Sequenzen, Bildstudien, Collagen und eigene Textbeiträge von (größtenteils Berliner) Street Artists, die ihre Motivationen erläutern und spezifische Schwierigkeiten dieser künstlerischen Arbeit berichten. Dazu umfangreichere Texte in denen Street Art aus Sicht der Kunstgeschichte und Kunstwissenschaft, der Geographie, Soziologie, Philosophie, Ethnologie, Kulturwissenschaften, Architektur, Politikwissenschaften... betrachtet, bewertet, gedeutet, erklärt wird. Dabei werden Legenden erzählt vom Wirken der Street Art-AktivistInnen auf der Straße und es werden Legenden im Sinne von Erklärungs- und Deutungsmustern zum Verständnis dieses kulturellen Schaffens angeboten - und können damit durchaus auch bei „alten Fans“ neue Sichtweisen auf Street Art ermöglichen.

Entsprechend der Vielfältigkeit von Street Art spannt sich die Gattung der Texte von Reiseberichten in Form von Postkarten, über Erzählungen, eine Liebeserklärung an die Vergänglichkeit von Kunst auf der Straße und einem Musical-Drehbuch bis zu den wissenschaftlichen Essays. Darin wird dem Verhältnis von Street Art zum etablierten Kunstbetrieb nachgegangen und überlegt, inwieweit Street Art eine neue Stufe der Kunst einleitet, es wird an die Wand als ältestes Massenmedium der Menschheitsgeschichte erinnert (Kratzzeichnungen sind schon lange Spuren und Ausdrucksform der einfachen Leute gewesen) und auf die kulturhistorische Figur des „Spaziergängers“ als Vorraussetzung für die Entstehung von Street Art hingewiesen. Betont wird, dass Street Art von Kommunikation und Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Ort und seiner Umgebung, der Straße und dem Alltag lebt und daher im Ausstellungsraum „White Cube“ so nicht bzw. nur anders funktionieren kann.
Hingegen kann Street Art gerade im Alltag im besten Sinne neuartige und abweichende Situationen und Erleben schaffen. Inwieweit Street Art allerdings tatsächlich eine „ständige Gefahr für das Ordnungssystem der herrschenden Zeichen innerhalb der Stadt“ darstellt, oder ob die Repression gegen Street Artists nicht primär in der damit begangenen Sachbeschädigung an „fremdem Eigentum“ zu Suchen ist (was zweifelsfrei zentraler Bestandteil des kapitalistischen Systems ist und daher auch nach Sanktionierung schreit), mag in der Absolutheit dieses Anspruches der Subversivität von Street Art dann doch auch bezweifelt werden.
Differenzierter und nüchterner nennt Christian Schmidt drei Ebenen, auf denen Street Art politisch wirksam werden kann: Durch Aneignung und Umdeutung wird in Form von Street Art Selbstermächtigung in der Mitgestaltung des öffentlichen Raums direkt umgesetzt. Über inhaltliche Aussagen von Street Art, seien sie explizit, durch den Kontext der Installation oder durch subversiv-interpretationsoffene Botschaften, wird Position bezogen. Und schließlich ist Street Art durch die davon ausgehende Anregung zum Selber- und Mitmachen fähig, Kommunikation und weitere künstlerisch-aktivistische Interventionen anzustoßen, und damit alternative Kommunikationskanäle zu öffnen. Gleichzeitig bleibt diese Subversion hoch widersprüchlich, denn sie wird leicht integriert und umgedeutet in sozioökonomischen Prozessen des „Differenzkapitalismus“ und der „unternehmerischen Stadt“ und trägt somit auch ihren Teil beispielsweise zur Attraktivitätssteigerung und Umgestaltung ehemals ökonomisch uninteressanter Stadtteile bei, die im Zuge der Aufwertung ihren Charakter, ihre ursprünglichen BewohnerInnen und schließlich auch (wieder) ihre Street Art verlieren.
„Will Street Art kritisch und interventionistisch wirken, so sollte sie jedoch genau diesen Widerspruch stets aufs Neue sichtbar machen und problematisieren. Ansätze dafür gibt es immer wieder und gerade dann, wenn die Posters, Stickers und Stencils beispielsweise jene Viertel verlassen, für die sie typisch sind und dadurch eher als unkalkulierbar, als verstörend und letztlich als symbolische Bedrohung wahrgenommen werden können.“
Dass Street Art inzwischen schon längst nicht mehr nur in gentrifizierten Großstadtvierteln vorkommt, sondern auch in der sauberen oberschwäbischen Kleinstadt, und was das hinsichtlich ihres subversiven Potentials bedeutet, wird in dem insgesamt sehr berlinfixierten Buch leider nicht mitreflektiert.

„Street Art. Legenden zur Straße“ betrachtet Street Art aus „Fanperspektive“, wobei auch kritische Überlegungen Raum finden, so schreibt Jens Thomas: „Graffiti und Street Art zeugen von Vereinzelungsprozessen in einer Mitteilungswelt, und ohne diese Erscheinungen gäbe es diese Zeichen nicht einmal, zumindest nicht in ihrer Ästhetik“. In den wissenschaftlichen Texten ergeben sich immer wieder ähnliche theoretische Erklärungen und Analysen – es wird verwiesen auf Dada, die Situationisten und die Kommunikationsguerilla (die ja selbst nur ein buntes Sammelsurium ist und aus Verweisen besteht) - jedoch haben alle Texte im besten Sinne eines bunten Kaleidoskops ihre besondere Konstellation und werfen ein eigenes Licht auf die Tags, Pieces, Stickers, Plakate, Stencils, Scherenschnitte und verschiedensten Objekte der Street Art und ihren Ausstellungsraum Straße.

Marc Amann


Katrin Klitzke / Christian Schmidt (Hrsg.): Street Art. Legenden zur Straße, Verlag "Archiv der Jugendkulturen", August 2009, 226 Seiten, Großformat 196 x 249, ca. 300 durchgängig farbige Abbildungen, gebunden, 28,- €, ISBN 978-3-940213-44-0

Blog zum Buch: http://streetartlegenden.blogspot.com

In der Rezension auf Rebel Art findet sich am Ende das Inhaltsverzeichnis aus dem Vorwort: http://www.rebelart.net/diary/?p=1953

Der Beitrag von Christian Schmidt „Street Art - Zeichen der Zeit“ findet sich komplett hier:
http://www.jugendkulturen.de/pics/downloads/streetart2/STREETART_christianschmidt.pdf

Totenkopf auf Atomkraftwerkskuppel (AKW Unterweser, Juni 2009)

"Um auf die tödliche Gefahr aufmerksam zu machen, die von Atomkraftwerken ausgeht, bemal(t)en Greenpeace-Aktivisten ... die Kuppel des niedersächsischen Atomkraftwerks Unterweser bei Nordenham mit einem überdimensionalen Totenkopfsymbol."
Film zur Aktion:
http://www.graswurzel.tv/index.php?flv_id=74

Tausende Fragezeichen (Murrhadt, August 2008)

In der kleinen Gemeinde Murrhardt (ca. 30 km von Stuttgart) führten Fragezeichen, die über Nacht mit Kreide an praktisch alle Hauseingänge gemalt, sowie als kleine Zettel auf dem Marktplatz verteilt wurden, zu großer Verwirrung und öffentlicher Diskussion...
http://fragezeichen-in-murrhardt.blog.de/

Ein Musterbeispiel für die subversiven Möglichkeiten von Street Art als Kommunikationsguerilla.
Offen bleibt (wie so oft nach/bei solchen Aktionen) die Frage, ob/wie mit dem entstandenen Erregungskorridor umgegangen werden soll/kann, um der Interpretationsoffenheit der Aktion ggf. doch noch Inhalte folgen zu lassen - was ja nicht zwangsläufig sein muss bzw. bei vielen Kommunikationsguerilla-Aktionen gerade NICHT das Ziel ist, sich aber bei dieser Aktion, bei der die "Verursacher" enttarnt wurden, anbietet.

Aufkleber sind nicht zwangsläufig Sachbeschädigung (Prozess in Hamburg, 2008)

"(...) Im Verfahren gegen eine 22-jährige Aktivistin wegen
Sachbeschädigung hatte das Amtsgericht Hamburg-Altona die Angeklagte im April 2008 zu 15 Tagessätzen verurteilt, weil sie einen „Tschüss-Vattenfall“-Aufkleber auf ein Wahlplakat geklebt hatte. Das skurrile daran: Die SPD hatte sich explizit gegen eine Strafverfolgung
ausgesprochen und nur weil die Staatsanwaltschaft ein besonderes öffentliches Interesse bejahte, kam es überhaupt zum Prozess.

Dieses Urteil wurde nun in Revision vom Oberlandesgericht aufgehoben. Das Gericht stellte fest, dass es unzulässig gewesen sei, den Hauptbelastungszeugen der Polizei nicht zu laden und lediglich dessen Bericht zu verlesen. Darüber hinaus sei nicht belegt worden, ob der Aufkleber sich hätte ablösen lassen. Dies ist aber ein notwendiges
Kriterium, damit der Straftatbestand der Sachbeschädigung erfüllt ist.
(...)"

http://de.indymedia.org/2008/10/228693.shtml

Bußgeld für Beseitigung von Naziaufklebern (Greifswald, 2008)

Weil sie beim Entfernen von Nazi-Propaganda-Aufklebern an Straßenschildern, Lampenpfosten, etc. von der Polizei "erwischt wurden", bekamen einige Jugendliche in Greifswald Bußgeldbescheide.

Im Artikel auf indymedia und den zugehörigen Kommentaren wird dann auch der interessanten Frage nachgegangen, wer da eigentlich warum was bestrafen kann... und es gibt dazu noch nen Tip wie sich Nazi-Aufkleber am besten entfernen lassen:
http://de.indymedia.org/2008/06/219065.shtml

Street Art-Archiv: reclaimyourcity.net

umfangreiches Street Art und Urban Art-Sammlung unter:
http://www.reclaimyourcity.net/news/news.php

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