Urbane Protestkommunikation und Raumaneignung (Rezension von: „Reclaim Your City. Urbane Protestbewegungen am Beispiel Berlins“)

Mit der Aneignung von öffentlichen Räumen und den Kommunikationsformen von städtischen Konflikten und Protesten beschäftigt sich das im Oktober 2014 erschienene "Reclaim Your City - Urbane Protestbewegungen am Beispiel Berlins."
Der Autor Tobias Morawski und das Pappsatt Medien-Kollektiv als Herausgeber haben mit dem übersichtlich gestalteten, mit vielen schwarz-weiß Fotos illustrierten und Verweisen, Links und Quellen versehenen Buch ein nützliches kleines Übersichtswerk geschaffen.

Ausgehend von Henri Lefebvres Theorie der sozialen Produktion von Raum gliedert sich der Hauptteil des Buches – nach einer Darstellung der Stadt im neoliberalen Wandel und den Machtverhältnissen in der sozialen Produktion von Raum– in drei Bereiche konkreter Formen und Mittel der Stadtaneignung und Kommunikation.
Als Beispiele physischer Raumaneignung werden Haus- und Platzbesetzungen, Guerilla Gardening/städtisches Gärtnern, Blockaden (von Zwangsräumungen, Bauvorhaben,...) sowie temporäre autonome Zonen (Partys im öffentlichen Raum) beschrieben.
Als Beispiele von Protestkommunikation und Aneignung der symbolischen Bedeutung des Raumes werden Demonstrationen, Besetzungen und die verschiedensten Formen der Street Art/Urban Art (Graffiti, Wandbilder, Plakate, Transparente, Adbusting, Markierungen) dargestellt.
Kritisches Kartieren als Form der Aneignung der Repräsentation von Raum wird anhand unterschiedlicher Karten (Leerstandsmelder, Gartenkarte, kartographische Aktion, Hausbesetzungskarte,...) erläutert.

„Reclaim Your City“ bezieht viele der städtischen Auseinandersetzungen der letzten Jahre in Berlin in die Darstellung mit ein, wie die Proteste gegen steigende Mieten und Verdrängung, Gentrifizierung, Kommerzialisierung und Großprojekte, die Proteste von Flüchtlingen, Nachbarschaftsgärten, Street Art, besetzte Häuser,... Dadurch wird das Buch lebendig und anregend und vermittelt neben den konkreten Formen der Kommunikation und Raumaneignung auch viel Wissen über die Geschichte Sozialer Bewegungen (wie der Hausbesetzungsbewegung) und deren Aktionsformen in Berlin (und darüber hinaus). Unerwähnt bleiben dabei alternative Initiativen von Stadtplanung, Bürgerinitiativen und Commonsprojekte (wie das Mietshäuser Syndikat), die über die dargestellten eher subkulturell geprägten Formen und den Protest hinausgehen.

Als Handbuch der Kommunikationsmittel urbaner Proteste bietet „Reclaim Your City“ eine gute Ergänzung zu den zahlreichen Büchern, die die letzten Jahre im Bereich Recht auf Stadt oder Gentrifizierung erschienen sind - oder auch zu den unzähligen Street Art-Bildbänden. Und wer sich für viele weitere Beispiele der politischen Urban Art und Raumaneignung interessiert, sei auf http://reclaimyourcity.net/ verwiesen.

Einige Fotos und Texte aus "Reclaim Your City" sind hier zu finden:
http://ilovegraffiti.de/blog/2014/12/13/buch-reclaim-your-city-urbane-protestbewegungen-am-beispiel-berlins/

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"Reclaim Your City. Urbane Protestbewegungen am Beispiel Berlins" von Tobias Morawski, herausgegeben vom Pappsatt Medien-Kollektiv, erschienen bei Assoziation A, 168 Seiten, 16€.
http://www.assoziation-a.de/neu/Reclaim_Your_City.htm
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Erster Europäischer Mauerfall (Zentrum für politische Schönheit 2014)

"Die Installation „Weiße Kreuze“ ergriff vor den Gedenkfeiern zum 25. Jahrestag des Mauerfalls kollektiv die Flucht aus dem Regierungsviertel in Berlin. Die Mauertoten flüchteten in einem Akt der Solidarität zu ihren Brüdern und Schwestern über die Außengrenzen der Europäischen Union, genauer: zu den zukünftigen Mauertoten. 30.000 Tote forderten die EU-Außenmauern seit dem Fall des Eisernen Vorhangs. Die Gedenkkreuze flüchteten vor dem Oktoberfestgedenken zu Menschen, deren Leben durch die EU-Außenmauern akut bedroht ist und erweiterten dadurch das selbstbezogene deutsche Gedenken um einen entscheidenden Gedanken: die Gegenwart."
Film: http://www.politicalbeauty.de/mauerfall.html
Mehr Infos: https://www.youtube.com/watch?v=pty0yNPeubk#t=19

Wunsiedel macht aus Nazi-Aufmarsch Spendenlauf (2014)

Am 15. November 2014 gingen die Neonazis in Wunsiedel auf die Straße. Wir konnten sie nicht stoppen – aber wir konnten sie für was Sinnvolles laufen lassen: Und so wurde erstmals in der Geschichte ein rechter Trauermarsch in einen Spendenlauf umfunktioniert – ohne Wissen der Beteiligten. Für jeden gelaufenen Meter gingen 10 € an EXIT-Deutschland – das Aussteigerprogramm für Neonazis. Das Ergebnis: 10.000 € und jede Menge überraschte Rechte. EXIT ist angewiesen auf eure Spenden. Deswegen: Gehet hin und spendet auf www.rechts-gegen-rechts.de!!!

Film: https://www.youtube.com/watch?v=ysTqSHoTz0M
mehr Infos: http://www.rechts-gegen-rechts.de/

Hinweisschilder für "Fliegendes Spaghettimonster" (Templin 2014)

"Die weltweit organisierte "Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters" hat in Templin Hinweisschilder für ihre "Gottesdienste" aufgehängt - und zwar an den gleichen Masten, an denen auch die etablierten Kirchen für ihre Messen werben. Das sorgt bei den sogenannten "Pastafaris" für Freude - die anderen Religionsgemeinschaften sind sauer."
http://www.rbb-online.de/panorama/beitrag/2014/11/kirche-des-fliegenden-spaghetti-monsters-wirbt-mit-schild-in-tem.html

"Artwashing": Street Art verdeckt soziale Konflikte (Hamburg 2014)

"Im Hamburger Stadtteil St. Pauli wurden vor zwei Wochen beim Reeperbahnfestival 500 qm eines riesigen Bauzauns von fünf geladenen Künstlern gestaltet. Neben einem Orca mit Panda-Öhrchen werden Hände gedrückt und eine Libelle liegt wehrlos auf dem Rücken – die quadratischen Werke erscheinen zusammenhangslos angeordnet, Aussagen Fehlanzeige. Es ging wohl um handwerklich solide gemachte Dekoration ohne anzuecken, passend zur einfältig touristischen Ausrichtung des Spielbudenplatzes.
Was zunächst nach einer farbigen Attraktion auf dem Kiez aussieht, ist auf den zweiten Blick ein Politikum. Denn hinter dem Zaun liegt der Ort, an dem die Esso-Häuser erst geräumt, dann abgerissen wurden und wo nun eine offene Wunde im sozialen Gefüge des Stadtteils klafft."
Mehr unter:
http://reclaimyourcity.net/content/%E2%80%9Ecity-canvas%E2%80%9C-mit-kritischem-ortsbezug-nein-nur-urban-shit

Schwimmstunde im Brunnen gegen Kinderarmut und Schwimmbadschließungen (DLRG-Jugend, Bad Nenndorf, 2014)

"Dreht uns nicht das Wasser ab!
Eine Aktion der DLRG-Jugend gegen Kinderarmut & bundesweite
Schwimmbadschließungen

Mit einer besonderen Aktion erregten Ehrenamtliche der DLRG-Jugend am Samstag, den 27. September 2014 die Aufmerksamkeit der Passant/innen in Bad Nenndorf.
Im Brunnen vor dem Haus der Kur- und Tourismusgesellschaft fand um 15:30 Uhr eine öffentliche Schwimmstunde mit einem fiktiven Bademeister und verschiedenen Badegästen statt. Transparente mit Aufschriften wie „Dreht uns nicht das Wasser ab“
und „Für manche Kinder ist dies das einzige Schwimmbad“ sowie verteilte Handzettel verwiesen auf die Hintergründe: Mit der Aktion in Bad Nenndorf möchte die DLRG-Jugend auf den Zusammenhang zwischen Kinderarmut in Deutschland und dem
bundesdeutschen Trend zu Schwimmbadschließungen hinweisen.
Kinder und Jugendliche aus einkommensschwachen Verhältnissen haben oft keine Möglichkeit, ihre Freizeit selbstbestimmt und gemeinsam mit anderen Kindern zu gestalten, da ihnen meist das Geld für das Kino, die Eisdiele oder das Schwimmbad
fehlt. Die Folge für Kinder und Jugendliche ist nicht selten die massive Ausgrenzung von der Lebenswelt anderer Gleichaltriger..."
Mehr und Foto unter:
http://www.dlrg-jugend.de/aktuelles/artikelansicht/artikel/57774.html

http://www.dlrg-jugend.de/projekte/smart-mob.html

Frau im Koffer (Amnesty International gegen Menschenhandel, 2008)

http://www.youtube.com/watch?v=8bF9HNZzpkk

"Anlässlich des 60. Geburtstags der Menschenrechts-Charta hat Amnesty International im Jahr 2008 an mehreren Flughäfen in Deutschland eine tolle Aktion gestartet, die für großes Aufsehen gesorgt hat. Die Kampagne wurde einfach und treffend als “Frau im Koffer” bezeichnet... Zu sehen bekamen die verdutzten Fluggäste eine in einem transparenten Koffer eingesperrte Frau, die über das Paketband transportiert wurde. Die zusätzlichen gelblichen Sticker gaben dem Ganzen das Gefühl, als ob es sich tatsächlich um einen echten Koffer handelt. Erst auf den zweiten Blick wurde den Menschen klar, dass es sich hier um eine spezielle Aktion von Amnesty International gehandelt hat."
http://meetinx.de/werbung-amnesty-international-frau-in-koffer-stoppt-menschenhandel/

Projekt Störfaktor: Versammlungsrecht selbstbewußt wahrnehmen

"Störfaktor hat sich zum Ziel gesetzt, das Versammlungsrecht für uns in den sozialen Bewegungen zu stärken.

Wir streben den selbstbewussten Versammlungsteilnehmer an.
Störfaktor vermittelt Euch Wissen und Erfahrungen für die Durchführung von Versammlungen.

Wir streben Klagen bis zum Bundesverfassungsgericht an, denn wir sind der Auffassung, dass uns in den sozialen Kämpfen das Recht der Definition einer Versammlung und deren Versammlungsmittel zusteht.

Es geht darum, den politischen Meinungsbildungsprozess wieder auf die Straße zu bringen."

Internetseite mit vielen Materialien (befindet sich gerade im Aufbau):
http://www.stoerfaktor.org

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Zuletzt aktualisiert: 18. Okt, 15:59

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